Faszinierende Fotos – durch Aura eines Motives einfangen

Der Begriff „Aura“ ist nicht sehr einfach und eine brauchbare Definition zu finden, kein leichtes Unterfangen. Aber ein Motiv mit einer Aura gekonnt festgehalten, bringt Bilder, welche den Betrachter anziehen und faszinieren.

Oft findet man den Begriff „Aura“ etwa in Verbindung mit (esoterischen) Gurus, populistischen Herrschern oder Charismatikern. Duftige Blumen wecken mit ihrer Aura („blaue Blume“) Sehnsüchte. Die Aura gefährlicher Tunnels weckt Ängste. Dies sind nur ein paar Beispiele.

Im Rahmen der Linsenkunst-Sommerakademie 2017 wurde der Begriff „Aura“ sehr intensiv diskutiert. Daraus habe ich mir folgende Arbeitsdefinition destilliert:

„Aura“

ist Erscheinungsbild von Lebewesen (Mensch, Tier, Pflanze) und materiellen Dingen (Bauten, Räume …), welche aufgrund ihrer Ausstrahlung Menschen

  • a. Nutzen/Funktion (positiv) oder Schäden (negativ) erwarten lässt,
  • b. diese dabei aber aufgrund unterschiedlichen Wissens und Erfahrungen durchaus individuell verschieden wahrnehmen lässt, und
  • c. je nach Grad der Empfindungen/Gefühle (Emotionen) dazu bewegt, eigene Entscheidungen anzupassen oder gar unterzuordnen.

Anmerkungen:

Aura braucht in einem Bild Raum, um seine Strahlkraft zu entwickeln. Zuerst löst eine Aura bei Fotograf*in und danach bei Bildbetrachter*in Gefühle/Reaktionen aus. Diese müssen nicht identisch sein. Die Wirkung einer Aura ist auch zeitgeschmacks-abhängig. Mit dem Festhalten und Ausdrücken von Aura gestaltet Fotograf*In emotional wirkende Bildelemente im fotografischen Prozess:

  1. 1. Sehen / Wahrnehmen der spürbaren Nutzen / Schäden und auslösbare Gefühle ,
  2. 2. Visualisieren des Motivs mit Gestaltung der Aura-Elemente während der Aufnahme (insb. Licht, Farbe, Schärfe),
  3. 3. Verstärken der Aura durch förderliche Bearbeitungs- und Präsentationsschritte

Es gibt nach meiner Erfahrung „Kopf-Fotografen“ und „Seelen-Fotografen“. Letzteren fällt es leichter, mit Gefühl und Hingabe zu fotografieren, und eine „Aura“ gefühlsmäßig zu erkennen und festzuhalten. „Kopf-Fotografen“ tun sich schwerer, Aura fest zu halten.

Bildbeispiele: Glaube in dunkler Kirche

Die Kirchenfenster des gotischen Regensburger Doms enthalten Glasmalereien, lassen also Licht nicht ungehindert durch. So brauchen beim Betreten die Augen erst ein paar Minuten zum Adaptieren. Dann werden allmählich Altäre und Glaubensinsignien  (also die Funktionen des Doms) sichtbar.

Mit dem Sujet möchte ich Emotionen wie Verehrung, Faszination, Entschleunigung und Zugehörigkeit für katholische Christen zu visualisieren versuchen.
Die Aura des Doms entsteht also aus der Dunkelheit, welche gleichsam als Vignette für die Motive wirkt. Sie fokussiert den Blick und blendet alles Nebensächliche für den Gottesdienst aus.
Grundsätzlich meine ich, dass fotografisch eine Aura vor allem durch Farben, Lichtstimmung und Unschärfen gestaltet wird. In meiner Serie werden Unschärfen nicht verwendet.

Die Bilder wurden bei Available Light mit einer Kamera (SONY A7R2) aufgenommen, welche eine hohe Dynamik aufweist, und in Lightroom entwickelt.

 

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