Eine Methodik der Gestischen Fotografie

Gestische Fotografie ist eigentlich nichts Neues. Der ein oder andere hat ja bereits so fotografiert, ohne das er die Bezeichnung gekannt hatte. Wir würden vielleicht von „Schwenkbildern“ reden. Auf Neuhochdeutsch redet man auch von „Intentional Camera Movements“.

Ein Kameraschwenken wird erst dann zu Gestischer Fotografie, wenn dieses mit Bedacht erfolgt – wenn also Gedanken und Empfindungen in das Schwenken der Kamera einfließen. Dadurch entstehen im Bild bei passenden Kamera-Einstellungen Bewegungsunschärfen. Sie gilt es zu nutzen, da sie das existierende Motiv auflösen und im extremsten Fall ein neues, abstraktes Bild erzeugen.

Am Tegernsee

Es gilt Licht- und Farbspuren mit Bedacht zu gestalten, um gleichsam mit der Kamera zu malen. Für Gestische Fotografie besonders geeignete Motive weisen daher vor allem ausgeprägte Lichter, Farben und Kontraste auf.

In jedem Fall ist Experimentieren gefragt, denn das Ergebnis einer Aufnahme kann im vornehinein nicht präzise vorhergesagt werden. So verlangt diese Art der Fotografie etwas Ausdauer. Schwenks liefern nicht selten nur bei zirka 15 % der Aufnahmen brauchbare Ergebnisse.

Zusammen mit Fotofreunden wurde daher systematisch an einer Methodik gearbeitet, mit welcher neue Motive erschlossen und der erforderliche Aufwand reduziert werden kann.
Einzelheiten sind in folgendem Dokument nachzulesen: >>> pdf-Datei (1 MB)

2 Responses so far.

  1. Ludwig Wiese sagt:
    Wieder ein sehr interessanter Blogbeitrag und ein informatives PDF von Dir. Ich finde jedoch, dass die Technik des Kameraschwenkens etwas in die Jahre gekommen ist.
    Das Ergebnis steht im Vordergrund. Das Bild sollte möglichst so aussehen, wie es sich der Fotograf vorgestellt hat. Bei den Schwenkbildern ist der Anteil des Zufalls jedoch sehr hoch. Daher halte ich es für wesentlich besser, mit den heute bereitstehenden Mitteln der Bildbearbeitung gezielt Bilder zu gestalten und den Zufall möglichst gering zu halten.
    Meine Meinung hängt sicher damit zusammen, dass ich ein fauler Fotograf bin, Fotos eher als Rohmaterial ansehe und Bilder lieber gezielt am PC gestalte. Ausführlicher habe ich dies Thema in einem Blogbeitrag erläutert (siehe: http://www.w-fotografie.de/ich-bin-ein-fauler-fotograf-bildmontagen-gefallen-mir-besser/ ).
  2. Günther Keil sagt:
    Sicher ist die Technik nichts Neues. Wir haben sie auch schon früher eingesetzt. Aber wir wollten die Gestische Fotografie künftig kontrollierter nutzen, wenn sie denn zum Motiv passt. Trotz allem macht der Zufall für uns den Reiz aus. Es freut uns ja immer wieder, wenn unter den Schwenkbildern etwas besonders Gelungenes bzw. Unerwartetes ist – ist wie Pilzesuchen. Es ist also schon ein anderer Ansatz, als Deiner im zitierten Blogbeitrag. Und faul bist Du sicher nicht (bei 150 PS-Ebenen). Ferner lassen sich die Ergebnisse der Gestischen Fotografie mit Photoshop nicht 1:1 nachempfinden, denn reales Licht ist etwas Anderes als sein Abbild in der Bilddatei.

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